Geschichten aus Ortenberg

Wissenswerte, lustige und ernste Geschichten - jede Ortschaft hat sie. Uns sie sollen erzählt werden. Hier werden sie zusammengetragen. 

Du hast eine Geschichte, die aufgeschrieben werden soll? Dann wende Dich an unseren Vorstand

Die älteste Straße Ortenbergs (1. Jahrtausend)

Die Heidengasse hatte früher den Namen "Alte Straß". Die 2 Namen zeigen, dass es sich um eine alte "Fernstraße" handeln muss. Sehr wahrscheinlich geht die Straße auf die Römer zurück. Die Straße könnte dann in die Kinzigtalstrasse gemündet haben. 

Wie die Heidengasse, so hat auch die Pfannenstielgasse ein hohes Alter. (Der Name Pfannenstiel wurde erst im 20. Jhd. vergeben.) Die Gasse ist die lineare Fortsetzung der "alten Straß" bzw. Heidengasse in Richtung Schlossberg. Und wenn man sich vor Augen hält, dass die Römer die Gewohnheit hatte, bei ihrem Straßenbau immer einen markanten Punkt zu avisieren, auf den sie möglichst kerzengerade hinbauten, scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass sie beim Bau der "alten Straß" von Offenburg her die nordwestliche Ecke des Schlossbergs anpeilten. So gesehen, wäre die heutige Pfannenstielgasse der sehr alte Verbindungsweg von der "Alten Straß" genannten römischen Kinzigtalstrasse an den Bergfuß. 

Evtl. führte von dort ein der Steigung und den örtlichen Gegebenheiten angepasster Weg auf den Schlossberg hinauf. 

Wie der Kaiser seine eigene Burg erobern musste (1504) 

Der Kaiser Maximilian I. erkannte die Ansprüche des pfälzischen Kurfürsten auf die Landshuter Erbschaft nicht an. Er zieht Truppen gegen ihn zusammen und erklärt ihm die Reichsacht. 

Die Burg Ortenberg wird gehalten von Jörg von Falkenstein, der sie zu verteidigen hat. Das Landesaufgebot von Ortenberg muss auf kurpfälzischen Befehl ins Unterland abziehen, ungeachtet einer Entbindung der Verpflichtungen gegenüber den Kürpfälzern, die der Kaiser aussprach. 

Der Kaiser rückt mit 4.000 Mann an, doch Jörg von Falkenstein will die Burg nicht ausliefern, die von den Kurpfälzern zur Festung ausgebaut wurden. Unter anderen wurde vermutlich durch sie die Burg um Rodelltürme erweitert, die heute noch zum Teil sichtbar sind (Malerturm und Kapellenturm). Vor der drohenden Gefahr des Beschusses von der Bergseite her wurden die heute noch sichtbaren Wallgraben errichtet, auf denen heute die Reben stehen. 

Doch das Befürchtete passiert: Der Kaiser lässt den kaiserlichen Geschützpark aus Innsbruck anfahren. Über den Schwarzwald werden Kanonen angefahren, das größte "Stück" muss von 36 Pferden gezogen werden. Sie werden - sicherlich nicht ohne Mühe - auf dem Keugeleskopf in Stellung gebracht. Von dieser überhöhten Stellung aus wird das Feuer eröffnet. 

4 Tage wird auf die Burg geschossen, danach ist sie sturmreif. Graf Wolfgang von Fürstenberg, oberster Feldhauptmann des Kaisers, erobert die Burg mit seinen Landsknechten. Die Kurpfälzer Herrschaft ist beendet. 

Die nicht bischöflich beherrschte Hälfte der Landvogtei Ortenberg wird dem Pfalzgrafen Ruprecht entzogen und dem Grafen von Fürstenberg übertragen. 1

1 Vom Fürstbischof zu Straßburg zum Markgraf von Baden: Herrschaft Oberkirch, Heimat- und Grimmelshausenmuseum Oberkirch 2003, S. 3

Der alte Kanzleihof ca. 1559 - 1680

Vermutlich wurde im Jahre 1559 die Entscheidung getroffen, für die Landvogtei Ortenberg ein Verwaltungsgebäude aufzurichten. In diesem Jahre war eine österreichische Regierungskommission in der Region unterwegs. Da kein eigenes Gelände zur Verfügung stand, musste Grund und Boden vom St.-Andreas-Hospital in Offenburg entlehnt werden, wofür der Landrat jährlich Bodenzins zu zahlen hatte. 

Leider brachen ab 1618 wieder Kriege aus, die die Kanzlei in Mitleidenschaft zogen. Aus dem Schriftverkehr, der in den Jahren 1656 - 1684 von den landvogteilichen Behörden mit ihnen vorgesetzten Dienststellen in Waldshut bzw. Innsbruck wegen der Genehmigung der Reparaturarbeiten geführt wurde, kann man entnehmen, dass die ortenauische Kanzlei in Ortenberg damals eine "Cantzley-Stuben" besaß, deren 6 Fenster mit Waldglas verglast und durch eiserne Gitter gesichert waren. Unter der "Stuben" war der Kanzleikeller. Das Kanzleigebäude bekam ein "unteres Vorhaus", in dessen Erker die "Ambtscontracten, Klaggerichtsprotokolle, Amtsraittungen, Gerichtsraittungen" (= Rechnungen) untergebracht waren. 

Neben dem Hauptgebäude gab es ein "Bachhaus", 1669 wurde dazu die "Erbauung eines absönderlich Werkhaußes" genehmigt. Zur Ausbesserung der Bauschäden wurden die ganze Zeit immer wieder gewisse Summen auf den ortenauischen Landvogteieinkünften abgezweigt, wurde eigens ein Zimmermann als Werkmeister bestellt, wurden ihm "Frönen zugeordnet" wurde vom Amt "Floßholtz auf den Platz" geliefert. 

Noch 1679 war man der Hoffnung, dass der "orttenauw. Secretarius" die zeitweise verlassene, nun aber wieder reparierte Kanzlei wieder beziehen und hier die "wider häufig vorfallenden Ambtsgeschäfften" erledigen könne. Doch die bald folgenden neuen Kriege brachten das endgültige Ende auch für die Ortenberger Kanzlei. Sie muss - wohl in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts - durch französische Truppen zerstört worden sein. ¹

¹gekürzt nach: Die Häuser von Ortenberg (1500-)1700-1945, Franz X. Vollmer, Selbstverlag des Heimat- und Kulturvereins Ortenberg, 1995 

Was ist Deine Geschichte?

Schreib' sie auf und schick' sie an uns!

Die Schulen von Ortenberg (ab 1724)

Das Haus Bühlweg 21, gegenüber der Bühlwegkapelle, diente von 1724-1824 als Schulhaus für Ortenberg und Käfersberg. 
Es wurde 1828 von der Gemeinde versteigert. Theresia Kiefer, die Witwe des verstorbenen Ortenberger Schulmeisters Joh. Baut. Lederne, die bereits vorher das Haus bewohnte, ersteigerte es für 458 Gulden. 

Schlossbesitzer Theodor Freiherr von Hirsch

Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts war Theodor Freiherr von Hirsch Gutsbesitzer auf Schloss Ortenberg (geb. am 11. September 1838 in München als Sohn des Gutsbesitzers Josef von Hirsch und der Karolina geb. Wertheimer, gestorben am 5. September 1916 in Ortenberg). Theodor von Hirsch war verheiratet mit (Freifrau) Alice von Hirsch geb. Pilié (geb. 23. Mai 1846 in New Orleans/USA, katholische Konfessionszugehörigkeit, gest. 14. Januar 1932 in Ortenberg). Er stammte aus dem bayerischen (Gereuther) Baronsgeschlecht Hirsch und hatte das Schloss Ortenberg 1889 von der französischen Familie Renouard de Bussière erworben. Die Familie lebte im Winter in Paris, im Sommer auf Schloss Ortenberg. Auf Grund seines vielfältigen wohltätigen Engagements für Ortenberg wurde Freiherr Theodor von Hirsch zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Das Ehepaar von Hirsch hatte zwei Kinder: Harold von Hirsch (geb. 1881 in Paris, gest. in den 1950er-Jahren in Genf) und Diana (geb. 1873 in Gersau/Schweiz, gest. 19. Juni 1961 in Krailling bei München). Die Heirat der Tochter Diana von Hirsch mit Freiherr Philipp von Brand zu Neidstein am 15. Juni 1897 war ein Höhepunkt der Schlossherrschaft Hirsch auf Ortenberg.1

1  http://www.alemannia-judaica.de/ortenberg_juedgeschichte.htm, abgerufen am 25.06.22, 22:02 Uhr

Der Schatz der Bühlwegkapelle (1902)

Der Zunsweierer Landwirt Bartholomä Groß setzte in seinem Testament 1878 den Kirchenfonds Ortenberg zum Universalerben ein. Das Geld sollte für die Unterhaltung der Bühlwegkapelle verwendet werden. Seine Stiftung war der Bartholomäusfonds der Bühlwegkirche. Die Kapelle war in keinen guten Zustand zu dieser Zeit. Nach längerem Bitten wurden auch die Einnahmen des Opferstocks der Kapelle der Stiftung zugeschlagen. Damit waren genügend Mittel für eine Restauration vorhanden, die 1902 begann. 

Bei der Abnahme des Verputzes im Innenraum stieß man auf alte Wandmalereien von hohem Kunstwert. Die Fresken waren zum Teil nur noch undeutlich erkennbar. Das lag daran, dass die Wände, um den Putz besser haften zu lassen, unnachgiebig mit dem Hammer bearbeitet wurden. So sind an manchen Stellen bis zu 1200 Hiebe mit dem Pickhammer gesetzt worden - pro Quadratmeter. Es stellte sich heraus, dass die Wandmalereien aus der Zeit der Errichtung der Kapelle stammen müssen, also zu diesen Zeitpunkt schon 400 Jahre alt waren. Verschiedene Persönlichkeiten der Zeit setzten sich für eine Erhaltung und Restauration ein, die von der Regierung geprüft und dann bezuschusst wurde. 

Der Kunstmaler Theodor Mader aus Karlsruhe machte sich an die schwierige Arbeit, die 1908 abgeschlossen wurde. Die Wandmalereien aus gotischer Zeit sind wiederhergestellt und für Besucher erlebbar. 

In ihrer heutigen Gestalt datiert die Bühlwegkirche aus dem Jahre 1497. Dafür sprechen sowohl schriftliche Quellen wie auch Baustil und die Wandgemälde, die das Kirchlein zu einem Schmuckstück der Gemeinde machen. 

Es war wohl der Landvogt Jakob von Landsberg, der mit freiwilligen Gaben als Stifter des Kirchleins auftrat. Er war bis 1504 der Landvogt der Ortenau, bis der Kaiser dem Pfalzgrafen das Amt wegnahm. Die Ausstattung muss bis weitgehend abgeschlossen gewesen sein. 

Die unter dem Einfluß der blühenden Volksfrömmigkeit und Marienverehrung neuerbaute Bühlwegkirche Maria Ruh' war vornehmlich der Schmerzhaften Muttergottes geweiht (die Reformation stand vor der Tür, aber bis dahin war der katholische Glaube der einzig "wahre" Glaube der Ortenau).

Wer heute die Bühlwegkapelle betritt, wird durch die Schlichtheit und Eindringlichkeit der Wandmalereien sofort in den Bann gezogen. Sie stellen den schönsten und wertvollsten Schmuck dieses Kirchleins dar. 

Hausnummern in Ortenberg - welches Haus hat welche Adresse (1858 - 1900 - 1940 - 1954)

Bis etwa zum II. Weltkrieg war in Ortenberg eine offizielle Verwendung von Straßennamen unüblich.  Der Ortsstraßenplan von 1858 weist nur wenige Straßen mit Straßennamen aus (Bühlweg, Bruchgasse, Zehntfreigasse, Judengasse). Im Zuge der Gebäudeeinschätzung durch die Gebäudeversicherung wurden um 1900 alle Häuser mit Nummern nach einem durchlaufenden Nummernsystem versehen. Die Adresse lautete daher z.B.„Ortenberg 172".

Bei der nächsten Gebäudeeinschätzung 1940 wurden die Straßen mit Namen versehen und das Nummernsystem je Straße (linke Seite ungerade, rechte Seite gerade) eingeführt, jedoch nur lückenhaft umgesetzt. Im Alltag waren die alten Hausnummern großteils noch in Gebrauch .Die Hausnummern waren aber oft nicht mehr angebracht. Straßennamensschilder waren bis auf den „Fessenbacherweg"(Judengasse), der 1938 aufgrund staatlicher Vorgaben neu benannt wurde, keine angebracht.

Am 5. Juli 1954 beschloss der Gemeinderat daher, dass "im Interesse der Einheitlichkeit wie Vollständigkeit und im Einklang zur Gebäudeeinschätzung, im Interesse des Fremdenverkehrs und der dörflichen Ordnung die neuen Straßenbezeichnungen und die Nummerierung der Häuser durchgeführt und die benötigten Straßen- und Hausnummernschilder bei der Firma Boos & Hahn bestellt werden." Die Hausnummernschilder wurden gegen einen Kostenbeitrag von 1,-- DM abgegeben und Straßennamenschilder beschafft. Die neuen Regelungen traten zum 1. Januar 1955 in Kraft. 

Einige Straßennamen wurden damit offiziell vergeben und festgelegt. Bei Neubaugebieten in der Folge wurde ebenso verfahren.